Woher kommt der Name „Cannabis“?

Eine Anekdote berichtet, dass eine der ersten namentlich Erwähnungen von Hanf aus Assyrien stamme: Dort nannte man den Hanf „würzige Rohrpflanze“ – Qunnubum.

Die Römer verändern dies später in Cannabum, aus dem dann Cannabis wird. Auch die Griechen und Phönizier nannten den Hanf kannabis. Das englische Wort canvas für „Leinwand“ ist übrigens aus dem Holländischen entlehnt und geht ursprünglich ebenfalls auf das griechische Wort kannabis zurück.

Hanf ist eine Pflanzengattung der Familie der Hanfgewächse und gilt als eine der ältesten Kultur- und Nutzpflanzen der Erde. Ihre Anwendungsgebiete sind vielfältig und sie wird seit tausenden von Jahren als universelle Heil- und Nutzpflanze geschätzt.

Die ersten Nachweise, dass Hanf schon seit langer Zeit von der Menschheit genutzt wird, liefern archäologischen Funde. Man entdeckte in einem Dorf in Taiwan Abdrücke von Hanfkordeln auf Tonkrügen, sie sind etwa 10000 Jahre alt und wohl der erste Hinweis darauf, dass unsere Vorfahren Hanf verarbeitet haben: Hanfsamen wurden gegessen, das aus diesen gewonnene Öl wurde zur Speisenzubereitung und die Fasern zur Herstellung von Kleidern verwendet.

Die Chinesen machten Papier aus Hanf, im Römischen Reich wurden wegen Hanf Kriege geführt, die erste Bibel wurde auf Hanfpapier gedruckt und Levi Strauss produzierte 1870 seine erste Jeans aus Hanffasern. Besonders begehrt war die Hanfpflanze auf Grund ihrer heilenden Kräfte: Man deckte die Wunden der Krieger mit Cannabisblättern ab und nutze Hanf untern anderem gegen Gicht. Es gibt weitere etliche historische Funde und Belege für die vielfältige Nutzung dieser Rohstoffpflanze.

Allerdings begann mit der Industrialisierung der Niedergang der Hanfpflanze, denn damals konnte man sie noch nicht maschinell ernten und brechen; die Hanfverarbeitung war mühsame und teure Handarbeit. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die „Cotton Gin“ erfunden: eine Baumwollmaschine, die diesen billigeren Rohstoff verarbeitete und somit den Textilmarkt revolutionierte. Neben der Textilindustrie fand auch die Papierindustrie einen billigeren Rohstoff: das damals kostenlos verfügbare, massenhafte Holz dichter, weiter Wälder.

Als 1938 die erste vollautomatische Hanfschälmaschine in den USA erfunden wurde, setzten Großindustrielle aus der Baumwoll- und Pharmaindustrie eine Hanfsteuer und schließlich ein Hanfanbauverbot durch.

Durch Fortschritte der Pharmaindustrie bei der Herstellung synthetischer Medikamente verlor Cannabis im gleichen Zug seine führende Stellung als Medikament.

Das Hanfverbot wurde im Zweiten Weltkrieg allerdings aufgehoben, da die Rohstoffmärkte bedroht waren und die Soldaten wurden mit strapazierfähiger Hanfbekleidung ausgestattet. Auch im Deutschen Reich wurde der Hanfanbau zu Kriegszwecken gefördert: Mit „Die lustige Hanffibel“ wurde für den Hanfanbau geworben. Doch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dem Hanfanbau endgültig der Garaus gemacht: Die Drogen- und Rauschmittelbehörde (mit Harry J. Anslinger an deren Spitze) erklärte 1937 vor dem amerikanischen Kongress, dass – entgegen alle bis dahin vorliegenden Untersuchungen und Studien – Marihuana die gefährlichste und vor allem die am meisten Gewalt erzeugende Droge überhaupt sei. Der Kongress entschied entsprechend: Im selbem Jahr wurde sowohl der Hanfanbau als auch der Genuss von Marihuana waren wieder streng verboten.

Das Ganze ging noch weiter: Anslinger wurde 1947 Vorsitzender der UN-Drogenkommission und vertrat die durch nichts erwiesene These, Marihuana würde zwangsläufig zum Konsum von Heroin führen. Er erreichte tatsächlich, dass die WHO (World Health Organization) 1954 veröffentlichte, Cannabis habe keinerlei therapeutischen Wert, es sei sogar gefährlich.

Sieben Jahre später gelang Anslinger der große Durchbruch: 1961 wurde das globale Verbot von Marihuana durchgesetzt.

Im Zuge dieser Kampagne und der entsprechenden Abkommen war der Hanfanbau, auch als Nutzhanf ohne nennenswerten THC-Gehalt verboten, so auch in Deutschland von 1982 bis 1996.

Seit 1996 wird nun wieder in Deutschland Nutzhanf angebaut, allerdings unter strengen gesetzlichen Auflagen und nicht von Privatpersonen. Dasselbe gilt für medizinischen Hanf, dessen Anbau seit März 2017 ebenfalls unter strengsten Auflagen für medizinische Unternehmen erlaubt ist.*

CBD

Die Abkürzung „CBD“ steht für Cannabidiol und wird zu den sogenannten Cannabinoiden gezählt. Cannabinoide sind natürliche Wirkstoffe aus der harzigen Blüte der weiblichen Hanfpflanze Cannabis Sativa, wobei die bekanntesten Cannabinoide das Cannabidiol (CBD) und das Tetrahydrocannabinol (THC) sind. Während THC für seinen berauschenden Effekt bekannt ist, wirkt CBD nicht psychoaktiv.

Der menschliche Körper hat viele verschiedene Systeme, die jeweils verschiedene Funktionen übernehmen und Prozesse steuern, wie z.B. unser Verdauungssystem, unsere Atmung oder unser Immunsystem.

In den 80er – Jahren wurde erstmals ein System entdeckt, welches auch Cannabinoide zu seinen Bestandteilen zählt: das Endocannabinoidsystem (ECS).

Jedes Wirbeltier verfügt über ein ECS, welches im Wesentlichen aus bestimmten Rezeptoren und entsprechenden Liganden besteht (=Stoffe, die an diese Rezeptoren binden und sie damit aktivieren können). Die beiden Rezeptoren werden CB1- und CB2-Rezeptor genannt. Da diese Rezeptoren überall in unserem Körper zu finden sind, geht man davon aus, dass das ECS in der Lage ist, eine Vielzahl anderer Systeme und Prozesse zu steuern.

Das bedeutet, dass CBD als Cannabinoid mit dem menschlichen endocannabinoidem System interagieren kann.

Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass CBD eine beruhigende Wirkung hat, und zwar sowohl auf den

Körper als auch auf den Geist. Derzeit sind Produkte mit CBD frei im Handel erhältlich. Sie gelten als Nahrungsergänzungsmittel und sollen vor verschiedenen Krankheiten schützen oder Beschwerden lindern. Außerdem wirkt Cannabidiol antidepressiv und angstlösend. In Studien wurde mittlerweile nachgewiesen, dass CBD das Wachstum von Krebszellen hemmt.

THC

THC (Tetrahydrocannabinol) ist ebenfalls eines der über 100 bisher entdeckten Cannabinoide, welche in der Hanfpflanze vorkommen. THC wirkt im Körper über zwei Rezeptoren auf das periphere Nervensystem, führt zu Entspannung und Glücksgefühlen und lindert Schmerzen. Man weiß aber mittlerweile, dass THC neben seiner psychoaktiven Wirkung Lernprozesse im Gehirn steuert, Impulse und Emotionen reguliert sowie den Schlaf und den Appetit beeinflusst.

CBG

CBG ist die Abkürzung für Cannabigerol und wirkt ebenfalls nicht psychoaktiv. Es ist ein noch nicht gut erforschtes Cannabinoid, die Forschung scheint sich jedoch immer mehr dafür zu interessieren und sieht hier ein großes therapeutisches Potenzial.

CBG wird aus der CGB-Säure und CBGA gebildet und entwickelt sich weiter zu THC und CBD. Es dient damit als Grundlage für die wichtigen Inhaltsstoffe (Cannabidiolsäure, Cannabichromensäure und Tetrahydrocannabinolsäure) und ist daher auch als das „Ur-Cannabinoid“ bekannt. CBG kommt vor allen in jungen und nicht ausgereiften Hanfpflanzen vor; je älter die Pflanze wird, desto weniger CBG ist darin enthalten. Cannabigerol kann praktisch nur von jungen Cannabispflanzen gewonnen werden, da hier der höchste Anteil vorhanden ist.

Wie die anderen Cannabinoide erfolgt die Wirkung von Cannabigerol ebenso durch Interaktion mit dem ECS. Wie weiter oben beschrieben, reguliert dieses System zahlreiche Vorgänge im menschlichen Körper. Es reagiert auf Verletzungen und viele Erkrankungen, unterstützt das Immunsystem, hilft Entzündungen einzudämmen und vieles mehr. Mittlerweile hat man herausgefunden, dass CBG sehr viele physiologische Systeme beeinflusst, daher sind die Möglichkeiten für die medizinische Anwendung äußerst vielversprechend:

• Für die Behandlung des Glaukoms hat sich CBG besonders wirksam erwiesen. Es reduziert nachweislich den Augeninnendruck und wirkt neuroprotektiv auf die Sehnerven. Außerdem funktioniert es als starker Vasodilator, d.h. es verbessert den Blutfluss in den Augen.

• Bei Darmerkrankungen verringert CBG die charakteristischen Entzündungen und verschafft dadurch Linderung von Schmerzen, Durchfall und dergleichen.

• CBG hilft gegen degenerative Nervenkrankheiten wie z.B. Chorea Huntington (auch Hintington-Krankheit genannt).

•CBG blockiert Rezeptoren, die das Wachstum von Krebszellen verursachen oder begünstigen. Insbesondere bei Darmkrebs zeigt sich dieses Cannabinoid als Hoffnungsträger für eine erfolgreiche Behandlung.

• Cannabigerol wirkt antibakteriell. Gerade die Wirkung von Cannabis gegen Staphylococcus aureus ist in der Hauptsache auf CBG zurückzuführen.

• CBG fördert den Appetit. Bei MS, Krebserkrankungen, HIV und anderen schweren Krankheiten kann CBG dadurch unterstützend eingesetzt werden.

•Bei Blasenerkrankungen zeigt CBG ebenfalls Wirkung. Es unterstützt die Muskeln für die Blasenfunktion. Somit kann es hervorragend zur Prophylaxe gegen Blasendysfunktionserkrankungen verwendet werden.

In Cannabigerol steckt also also jede Menge Potenzial für die medizinische Nutzung. Gerade die Eigenschaften, welche die Nervenzellen schützen, das Immunsystem stärken oder die Funktion von Muskeln erhalten, können auch ‚nicht kranken‘ Menschen helfen, ihre Gesundheit bis ins hohe Alter zu bewahren.

*Quelle: „Hanf, Für Schönheit, Heilung und Ernährung“ (Franziska von Au)